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Überflieger von Malcolm Gladwell

Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht

28. März 2010

Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind - und andere nicht

Malcolm Gladwell hat mit Überflieger sein drittes Buch seit 2000 veröffentlicht. Der Autor des Magazins New Yorker hat sich diesmal, wie auch in seinen übrigen Vorhaben, ein spezielles Thema herausgepickt und ganz sachlich analysiert. Es geht darum, welche Einflußfaktoren relevant sind, damit erfolgreich wird – sei es als Unternehmer, Sportler, Komponist oder Programmierer.

Wie auch sonst üblich bei Gladwell, versucht es sich frei zu machen von konventionellen Wahrheiten und vorurteilsfrei Daten zu sammeln und zu analysieren. Das Buch ist daher mehr wie eine Serie von Geschichten zu lesen, anhand derer der Autor immer mehr Regeln und Gesetze ableitet.

Die Hauptaussage des Buches ist daher auch etwas provokant: Natürliche Veranlagung, also das sogenannte Talent oder ein “geborenes Genie zu sein” spielen praktisch keine Rolle dabei, ob jemand weltweit zur Nummer 1 in seinem Fach wird. Dies ist eine weitläufige Fehleinschätzung, wenn man sich Personen wie Mozart, Bill Gates oder Michael Jordan ansieht. Diese Menschen erscheinen wie Originalgenies, denen das Talent in die Wiege gelegt war. Was man allerdings nicht sieht, sind die verschiedenen Einflußfaktoren des Umfelds, die solche Erfolge ermöglichen.

Der Autor hat festgestellt, dass, wenn ein gewisses Grundtalent gegeben ist, nur noch die trainierten/gearbeiteten/gelernten Stunden den Unterschied zwischen “sehr gut” und “Weltklasse” ausmachen. Es konnte es sogar relativ genau zurückrechnen und geht davon aus, dass 10.000 Stunden das Maß sind, dass einen zu wahrer Meisterung einer Disziplin führt.

Bill Gates hatte beispielsweise schon als extrem junger Schüler durch Zufall Zugang zu Computern und hat seine halbe Kindheit mit programmieren verbracht und hatte schon längst zehntausend Stunden zusammen, als er während der Studienzeit Microsoft gegründet hat. Man muss sich vorstellen: In den USA gab es kaum Computer und vielleicht eine Handvoll Menschen, die bereits soviel Erfahrung hatten. Ist es da verwunderlich, dass er und niemand sonst Microsoft gegründet hat?

Im Profisport wird es auch sehr deutlich, dort gibt es einen speziellen Effekt: Ab einem bestimmten Tag im Jahr, wird man einem Jahrgang zugeordnet. In den meisten Fällen ist dies der 1. Januar. Das heißt, jemand der am 31. Dezember 1980 geboren ist, spielt mit Jungen, die im Durchschnitt ein halbes Jahr älter sind als er. Der Junge, der am 1. Januar 1981 geboren wurde, spielt mit den Jüngeren. Beide trennt nur ein Tag. Wenn man nun 10 Jahre alt ist, dann kann ein körperlicher Vorsprung von vielleicht 8 Monaten immens viel ausmachen. Dadurch fällt man positiv auf und wird im nächsten Jahr mehr gefördert, trainiert ein bißchen mehr. Und spielt vor allem mehr. Und dieser Trend setzt sich fort. In der kanadischen Eishockeynationalmannschaft sind deshalb fast alle Spieler in den Monaten Januar, Februar und März geboren. Alle anderen sind durch den initialen Nachteil rausgeflogen – weil sie es wahrscheinlich nie auf 10.000 Stunden gebracht haben. Michael Jordan ist übrigens – ich habe es gerade nachgeschlagen – am 17. Februar 1963 geboren. Optimale Bedingungen für eine Karriere in der NBA und er ist außerordentlich harter Arbeiter bekannt.

Um Mozart ranken sich viele Geschichten, wie er schon als sechsjähriger Opern komponiert hat. Das mag sein, aber seine bekannten Werke schrieb er alle, als er schon über 10 Jahre den ganzen Tag über komponiert hatte. Erst dann wurde seine Arbeit Weltklasse.

Bill Joy, legendärer Programmierer und einer der Gründer von Sun Microsystems, schrieb erst, nachdem er schon über 10 Jahre fast jeden Tag programmiert hatte, Code für das Betriebssystem Unix, der auch noch 30 Jahre später die Grundfesten des Betriebssystems ausmacht.

Das Buch ist wirklich lesenswert, denn es enthält noch eine ganze Reihe weiterer Geschichten und Anekdoten. Man kann es kaum weglegen und es liest sich auch ganz gut in einem Rutsch. Ein bißchen schade nur, dass Malcolm Gladwell nur alle 5 Jahre ein Buch schreibt. Es kommt eben auf Qualität und nicht auf Quantität an.

[Rating:5/5]

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Hier gibt es noch ein Video mit einem Interview von Gladwell bei CNN, wo er das Buch kurz vorstellt (lustige Frisur hat er ja):

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