Wir befinden uns in einem Superzyklus der Rohstoffe, wenn man Jim Rogers glauben darf. In seinem gleichnamigen Buch von 2005 widmet er sich verstärkt den Investments in “Dinge”. Rohstoffe haben nämlich die Besonderheit, dass es sich nicht um irgendwelche Finanzkonstrukte bzw. Papierwerte handelt – es geht um Dinge des alltäglichen Lebens. Einige davon sind allseits präsent wie Öl oder Gold, die meisten fristen aber, was die Geldanlage von privaten Investoren angeht, ein Nischendasein. Zucker, Kaffee, Baumwolle, Lebendvieh und Orangensaft fallen sicherlich in diese Kategorie.
Das Buch kann grob in zwei Teile unterteilt werden. Im ersten Teil generell in das Thema eingeführt und die Besonderheiten von Rohstoffen als Anlageinstrument erläutert. Man fühlt sich etwas an Mikroökonmie 1 an der Uni zurückversetzt (wenn man sowas denn belegt hatte). Rohstoffmärkte sind Lehrbuchbeispiele für Angebots- und Nachfrageverhalten. Wenn z.B. ein Überangebot an Blei auf den Weltmärkten herrscht, dann fällt bekanntlich der Preis. Je niedriger der Preis ist, desto weniger lohnt es sich auch, neue Vorkommen zu erschließen, weil die hohe Investitionen erfordern. Wenn es keine Investitionen gibt, wird die Produktion in Zukunft zurückgehen. Und folglich wird auch der Preis wieder ansteigen.
Auch besitzen physische Güter immer einen Wert. Ein Totalausfall wie bei einer Unternehmenspleite ist somit nicht möglich.
Historische Zahlen belegen, dass sich Booms und Rezessionen an den Aktien- und Rohstoffmärkten immer abwechseln und etwa 20-25 Jahre dauern. Kann man Rogers glauben, so befinden wir uns seit etwa 1998 wieder in einem solchen Rohstoffboom (der oben angesprochene “Superzyklus”). Gründe hierfür sind inbesondere die veralteten Produktionsanlagen überall auf der Welt (Raffinieren, Bergwerke etc.), die das Angebot verknappen und auf der anderen Seite aufstrebende Nationen in Asien, allen voran China, die die Nachfrage stark steigern. Alles spricht also dafür, dass Rohstoffe es in Zukunft auf die Frontseiten der Wirtschaftsmagazine schaffen.
Der zweite Teil beschäftigt sich mehr mit den technischen Details des Rohstoffhandels, gibt eine Übersicht über die wichtigsten Begriffe, die relevanten Handelsplätze und ähnliches. Mir kommt es eher so vor, als wenn der Autor unbedingt ein Buch füllen muss, denn der typische Privatinvestor wird mit Sicherheit kein Händlerkonto eröffnen und auf Tagesbasis Ölfutures handeln. Auch wird man sich nicht Säckeweise Kaffee in die Garage stellen oder den Heizöltank voll machen (obwohl das sogar eine sinnvolle Maßnahme wäre). Aus meiner Sicht gibt es nur eine sinnvolle Möglichkeit für Privatanleger, von dem Rohstoffboom zu profitieren – und das ist ein Indexzertifikat. Rogers hat auch selbst einen Index aufgelegt, weil er genau das erkannt hat. So besteht die Möglichkeit, mit niedrigen Kosten und auch kleinen Summen, diversifiziert in Rohstoffe zu investieren. Übrigens auch bei Inflation ein sehr guter Schachzug.
In Summe ein empfehlenswertes Buch, dass sich einem Investmentfeld annimmt, das die meisten Anleger bisher noch nicht auf dem Radar hatten.
[Rating:4.5/5]
Hier gibt es noch eine aktuelle Äußerung von Jim Rogers zum Thema Rohstoffe in 2010.






